Wie glückt Ihnen Ihr Leben

Dein Leben – nach Sonja Radatz, Wien

Ein glücklich-schläfrig vorbeiziehender Tag, vielleicht ein Wochenende. Und da ist sie plötzlich, diese Frage: Wie glückt Ihnen Ihr Leben? Vielleicht stört die Frage Ihre Ruhe, die freundliche Meditation. Denn Sie hatten ja gar nicht vorgehabt, aktiv über Ihr Leben nachzudenken. Und dann auch noch über Ihr Leben in der Gegenwart und in der Zukunft?

Der Gedanke an die bewusste Gestaltung eines geglückten Lebens kann bei uns in zweifacher Hinsicht ganz schön Stress erzeugen: Einerseits, weil wir bei näherem Hinsehen merken, dass wir auf der berühmten Skala zwischen 0 und 10 – wenn 0 ein zu vernachlässigendes Leben ist und 10 ein zu 100% geglücktes – vielleicht doch nicht ganz so hoch stehen, wie wir uns im hektischen Alltag oft einreden wollen (und es auch tun). Andererseits, weil uns klar wird, dass es dafür weder „die Umstände“ noch „den Moment“ noch „die persönliche Konstellation“ noch „die fehlende Zeit“ verantwortlich zu machen gilt, sondern einzig und allein unsere ganz persönliche Nachlässigkeit. Und plötzlich wird uns klar, dass jede Minute zählt – nicht, weil wir Stress haben, sondern weil wir eben keinen Stress (mehr) haben wollen; nicht, weil es gilt, mehr oder am meisten zu bekommen, sondern weil wir nur dieses eine Leben haben und nicht wissen, wann es zu Ende ist; nicht, weil wir „alles“ wollen, sondern die ganz spezifischen kleinen Dinge im Leben, die uns wirklich wichtig sind.

An dieser Stelle wage ich Sie zu fragen: Wie sieht es denn aus, Ihr geglücktes Leben? Woran erkennen Sie es? Wann und wo haben Sie denn schon einen kleinen Ausschnitt davon erlebt? Wie hängt es zusammen mit anderen Menschen? Wie wird es nachhaltig? Und wie können Sie dieses geglückte Leben bewusst – nur für Sie selbst – erlebbar machen, sodass Sie echte Zufriedenheit und Erfüllung in Ihrem Leben verspüren? Wenn es dafür nur kleiner Korrekturen bedarf oder vielleicht sogar nur einer Verlangsamung und Bewusstmachung jeder kleinen Szene in diesem persönlich-geglückten Leben, haben Sie meines Erachtens gar nicht so viel zu tun. Dennoch gehört es getan. Immer wieder jedoch erlebe ich, dass wir Menschen so weit von unserem geglückten Leben entfernt sind, dass es eines Neuentwurfs bedarf. An einer solchen Stelle macht eine Korrektur keinen Sinn, denn sie würde nichts besser machen. Und so ein Neuentwurf kann durchaus aufwändig werden und erfordert von diesen Menschen nicht nur enorme Kraft, sondern oft viele Wochen und Monate Auszeit, für die wir Worte wie „Burnout“ erfunden haben.

Und natürlich stellt sich uns die Frage: Ist uns ein geglücktes Leben all den Aufwand wert? Was bringt uns ein geglücktes Leben? Reicht es nicht aus, ein schnödes Leben zu führen wie die Nachbarin von nebenan, die im 24-Stunden-Rhythmus damit beschäftigt ist, ihren Tagesablauf zu bewältigen? Nun, diese Frage kann ich nicht für Sie beantworten, denn ich halte sie für eine, wie Heinz von Foerster schon so schön sagte, „unentscheidbare Frage“ – und das sind bekanntlich jene Fragen, für die es keine allgemeingültige Antwort gibt. Ich fordere Sie ja lediglich dazu auf, sich mit der Frage zu beschäftigen. Mit allem Nachdruck! Das sollten Sie sich auch wert sein.

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